Geistviertel / Literatur

Als Autor der münsterischen Autorengruppe Sem;kolon habe ich mich mal mit Münster auseinander gesetzt, bzw. mit dem Ort in dem ich wohne. Ich finde es passt ganz gut zum Monat November, den wir ja noch haben.

Geistviertel

Finde mich auf dem Weg zu den Sonntagsbrötchen. Den Mantelkragen hochgeschlagen. Selten ein Auto auf dem nassen Asphalt. Dei Efeuhäuser mit Büschen und Birken in den Vorgärten atmen Wochenendruhe. Die verlassene Bushaltestelle grinst mich an.

Drüben mein Friseur, Fahrradgeschäft, Supermarkt, stille Glocken im Jugendstilkirchturm, Briefkasten, Drogerie. Vorbei am Tabak- Schreibwarenladen – Lottoannahmestelle für unverbesserliche Träumer. Wechsle die Straßenseite.

Das Schwimmbad Süd dort will mich an ihren schwarzen Badeanzug erinnern, an die Rentner, die palavernd im Becken herumstanden. Weigere mich, an ihre gespreizten Beine zu denken, unter die ich durchtauchte, und ich nicht lassen konnte, liebevoll in ihren Schritt zu beißen.

Krähen krächzen schwarz. Der Grüne Grund im Nebel. Die Bäume tragen tiefsten Herbst. Es ist lange her. Mußte zum Volkstrauertag auf dem Friedhof ein Gedicht aufsagen. Dabei hasste ich Auswendig lernen. Das Laternen basteln. Geschmack von Spekulatius.

Betrete die Bäckerei. Die Verkäuferin lächelt. Sie ist so schön, daß es weh tut. „Schönen Sonntag“, singt sie mir hinterher.

 Meine Schritte, tock, tock, auf dem Bürgersteig. Ich zünde eine Zigarette an.

(c) Christoph Aschenbrenner